06.12.18

Das mobile Landestheater mit „Bilge Nathan“ am BRG Imst

Lessing kennt jeder, „das ist Schulstoff wie Plus und Minus“ (Zitat aus „Bilge Nathan“). Dass dieser – aus heutiger Sicht – sprachlich aber doch etwas schwer verdauliche Schulstoff vom Tiroler Landestheater in einer modernen, spritzigen Fassung direkt ins Klassenzimmer geliefert wird, ist eine jener Gelegenheiten, die man sich keinesfalls entgehen lassen darf. Dank der hervorragenden Performance von Ayla Antheunisse, angereist mit der Dramaturgin Romana Lautner, kommt der in „Nathan, der Weise“ so zentrale Toleranzgedanke unmittelbar bei den ZuhörerInnen an und macht ganz nebenbei auch ein wenig neugierig auf den Originaltext. Ob die Aufführung für die SchülerInnen der Klassen 5 B (Prof. Ursula Magnes) und 5 A (Mag. Benjamin Trager) mehr Genuss oder mehr Muss war, kann man hier in Auszügen nachlesen:

Foto: BRG Imst

Klassenzimmerstück begeistert Schüler!

Am 30. November 2018 kam die Schauspielerin Ayla Antheunisse in die Klasse 5 B und spielte uns das Klassenzimmerstück „Bilge Nathan“ vor.
In dem Stück geht es um die Schauspielerin Chrissi, die anhand von Lessings Ringparabel aus „Nathan, der Weise“ ein Stück über Toleranz und Integration machen will. Ihr fehlt aber ein Araber oder Türke, um eine Subvention zu bekommen. Schließlich trifft sie Memo [Mehmet], dessen Familie aus der Türkei stammt. Doch bei der Aufführung taucht Memo nicht auf.
Christina entschied sich, das Stück allein zu spielen. Also fing sie an zu improvisieren, zeichnete die Kulisse auf die Tafel und stellte die verschiedenen Outfits mit Gesten dar. Zwischendurch interagierte sie mit uns und erzählte uns auch, wie sie Momo kennengelernt hatte und wie die Proben abgelaufen waren. Unter anderem erwähnte sie, dass Memo ein Moslem sei und sie deshalb sehr viel über Toleranz diskutiert hätten.
Im Laufe der Erzählungen von Chrissi über Memo veränderte sich ihre Definition von Integration und Toleranz teilweise ins Negative. Sie erzählte, dass sich bei den Proben Spannungen zwischen den beiden entwickelt hätten, welche immer zu Streitereien geführt hätten. Nach einigen Versuchen das Stück allein vorzuspielen, die jedoch meist im Schimpfen über Memo endeten, erhielt Chrissi eine SMS. Sie war von Mehmet. Christina las sie sich durch und ihr Verhalten änderte sich von einer Sekunde auf die andere.
Dann war das Stück zu Ende. Alle waren enttäuscht, da jeder wissen wollte, was passiert war. [Kombiniert aus den Berichten von Laura P., Sophia und Johanna.]

Chrissi spielte vier Rollen komplett alleine, sensationell, wie ich finde. Es war wirklich sehr amüsant solch ein Klassenzimmerstück anschauen zu können, denn man sah, wie sehr sich Ayla bemühte und wie textsicher sie war. Es hat mich fasziniert. In der zweiten Stunde kamen die Dramaturgin und Ayla nochmals zu uns um unsere Fragen zu beantworten. Diese Stunde hat mich jedoch von beiden am meisten beeindruckt und überrascht, denn ich hätte nie gedacht, dass die Schauspielerin dermaßen sympathisch und bodenständig ist. Ayla hat uns im Allgemeinen sehr viel von ihrem privaten Leben erzählt. Ich weiß nun auch generell viel mehr über diesen Beruf und wieviel Arbeit es ist, diese kompletten Texte auswendig zu lernen. Großen Respekt vor den Schauspielern, die das tagtäglich machen und können müssen. Im Großen und Ganzen hat mir das Stück sehr, sehr gut gefallen und ich bin schon sehr gespannt auf das Buch. [Franziska]

Mir hat das Stück sehr gut gefallen, da die Schauspielerin sehr talentiert ist und das Stück ein aktuelles Thema anspricht. Frau Antheunisse konnte die verschiedenen Rollen sehr gut spielen und wirkte überzeugend. Jedoch hat mir das offene Ende nicht so gut gefallen. Ich hätte gerne auch mehr von Memo gehört. Im Großen und Ganzen gefiel mir das Klassenzimmerstück sehr gut und ich würde gerne wieder an einer solchen Vorstellung teilnehmen. [Jana]

Nach dem Stück durften wir Ayla Fragen bezüglich „Bilge Nathan“, ihres Berufs und ihres Lebens stellen. Das war natürlich höchst interessant und auch das Klassenzimmerstück brachte nahezu jeden von uns zum Nachdenken. [Anna N.]

Mir gefiel das Stück sehr gut, da ich so einen ganz anderen Bezug zur Ringparabel von Lessing entwickeln konnte. [Johanna]

Es war eine tolle Erfahrung und wir freuen uns schon im Frühjahr ein Stück im Landestheater ansehen zu können. [Leonie]

In dieser Aufführung wurde der Klasse das wichtige Thema Toleranz und Vorurteil nähergebracht. Die 5b war sehr interessiert an diesem Thema und konnte nach der Vorführung auch noch jede Menge Fragen an die Schauspielerin stellen. Es war ein sehr informatives und interessantes Stück, das die Klasse in Erinnerung behalten wird. [Anna H.]