Ein Stück Zeitgeschichte auf der Bühne

von BRG Imst
04. März 2026
Zeitgeschichte auf der Bühne
Zeitgeschichte auf der Bühne
Zeitgeschichte auf der Bühne

Am 26.02.2026 fuhr ein Teil der Klasse 8A zusammen mit den Professoren Hofmann  und Schmid nach Innsbruck ins Tiroler  Landestheater, um sich das Theaterstück „Heldenplatz“ von Thomas Bernhard anzusehen. Zuvor konnten wir zukünftige Maturant*innen an einer sehr informativen und interessanten Führung  Backstage ins Innere des Theaters, hinter die Kulissen und auf die Probebühne blicken. Anschließend zur Verkürzung der Pause bis zur eigentlichen Theateraufführung aßen wir gemeinsam zu Abend im wahrscheinlich besten „Italiener“ nahe des Theaters.

 In Vorbereitung auf dieses komplexe Werk lasen wir das gleichnamige Stück im Vorhinein, um die Hintergründe und Zusammenhänge besser verstehen zu können. Das Werk an sich ist ein Meisterwerk der Übertreibung. Das Theaterstück von Thomas Bernhard spielt im Jahr 1988 in Wien, fünfzig Jahre nach dem „Anschluss“ Österreichs an das nationalsozialistische Deutschland.

Im Mittelpunkt steht die jüdische Familie Schuster. Professor Josef Schuster, ein angesehener Wissenschaftler, hat sich kurz vor Beginn der Handlung aus dem Fenster seiner Wohnung am Heldenplatz gestürzt und Selbstmord begangen. Sein Tod bildet den Ausgangspunkt des Stücks.

In drei Akten sprechen Familienmitglieder, Haushälterinnen und Bekannte über den Verstorbenen und über die Situation in Österreich. Besonders seine Frau leidet schwer unter dem Verlust und behauptet, sie höre noch immer die jubelnden Menschenmengen vom Heldenplatz – jene Menge, die 1938 Adolf Hitler gefeiert hatte. Diese Stimmen stehen symbolisch für den fortbestehenden Antisemitismus und die verdrängte Vergangenheit.

Der Bruder des Professors, Robert Schuster, äußert scharfe Kritik an Österreich. Er wirft dem Land vor, aus seiner Geschichte nichts gelernt zu haben. Der Antisemitismus sei weiterhin tief in der Gesellschaft verwurzelt. Für Josef Schuster war das Leben in Wien deshalb unerträglich geworden.

Das Stück zeigt keine direkte Handlung im klassischen Sinn, sondern besteht überwiegend aus Gesprächen und Monologen. Dabei entsteht ein düsteres Bild einer Gesellschaft, die ihre Vergangenheit nicht ehrlich aufgearbeitet hat.

Insofern war dieser Theaterbesuch auch ein Lehrstück in Zeitgeschichte.

Florian Müller, der dabei war  und Melina Köll, die das Stück gelesen hat